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GENANEWS MÄRZ 2012 ERSCHIENEN
Der aktuelle Newsletter hat seinen Schwerpunkt bei den Frauen- und Gender-Aktivitäten zur Green Economy in Deutschland, Europa und weltweit. Er informiert darüber hinaus über...
ABSCHLUSSBERICHT DES ÖKOSTROMPROJEKTES
Der Abschlussbericht des Forschungsprojektes "Erneuerbare Energie und Ökostrom. Zielgruppenspezifische Kommunikationsstrategien" liegt jetzt vor, in der Langfassung des...
CARE & GREEN ECONOMY
Ein neues Papier, das im Rahmen des Projektes G3 Green Economy geschlechter_gerecht veröffentlicht wurde, zeigt die Verbindungen zwischen Care und Green Economy auf. Wir freuen uns...
Die traditionelle Vorstellung von einer „Green Economy“ - wie sie sich auch in den meisten Konzepten widerspiegelt - ist die einer ‚grünen’ Güterproduktion. Eine grundlegende Änderung eines der jetzigen Defizite des Ökonomieverständnisses - Versorgungsarbeit steht kostenlos zur Verfügung - ist nicht in Sicht. Dabei wird die „Krise der Versorgungsarbeit“ bereits seit vielen Jahren diskutiert (Rodenstein, Bock, und Heeg 1996; Spitzner 2004; Winkler o. J.). Wie sich die Erwerbsarbeit in den Bereichen Güterproduktion und personenbezogene Dienstleistungen aus dem Blickwinkel der Geschlechtergerechtigkeit darstellt, soll mit den folgenden Daten verdeutlicht werden. Eine „grüne Ökonomie“, die diese Aspekte ignoriert, ist rückwärtsgewandt und keine Option für eine nachhaltige, zukunftsorientierte Wirtschaftsweise.
In den sogenannten Fertigungsberufen (z.B. Metallerzeugung und –bearbeitung, Mechanik, Elektrik, Bauberufe) arbeiten rund 7,3 Mio Beschäftigte: 83% davon sind Männer und nur 17% Frauen. In „Technischen Berufen“ sind von rund 1,9 Mio Beschäftigten 82% Männer und 18% Frauen. Im Bereich der Energieversorgung liegt der Männeranteil von rund 244 000 Beschäftigten bei ca. 75%. Auch in der Erneuerbaren Energien–Wirtschaft in Deutschland liegt der Frauenanteil unter den Beschäftigten nur bei 25%, der größte Anteil davon in nicht-technischen Berufen. (Röhr und Ruggieri 2008)
In den „Gesundheitsdienstberufen“ liegt die Gewichtung umgekehrt. Von rund 2,2 Mio Arbeitenden sind dort 84% Frauen und nur etwa 16% Männer. Eine weitere Statistik für das Jahr 2010 nimmt eine etwas andere Einteilung vor, die jedoch ein ähnliches Ungleichgewicht zeigt: Im „Gesundheits- und Sozialwesen“ sind von rund 3,5 Mio Beschäftigten 80% weiblich und nur 20% männlich, in „Erziehung und Unterricht“ sind von 1,1 Mio Arbeitsplätzen 67% von Frauen besetzt, dagegen nur 23% von Männern. 87% der Angestellten in „privaten Haushalten“ sind Frauen, 13% Männer. (Statistisches Bundesamt 2010a, 2010b)
Berufe in denen Frauen deutlich überrepräsentiert sind, sind unterbezahlt. Diese liegen meist im Bereich der personenbezogenen Dienstleistungen, also in der Pflege- und Gesundheitswirtschaft oder in Erziehung und Unterricht. Ebenso fällt auf, dass Männer sowohl in männer- als auch in frauendominierten Berufsfeldern mehr Führungspositionen besetzen und somit mehr verdienen. Eine Gegenüberstellung von Durchschnittsverdiensten in ausgewählten Berufszweigen macht deutlich, dass typische Männerberufe besser entlohnt werden.
Bruttojahresverdienste nach ausgewählten Wirtschaftszweigen
Verwaltung und Führung von Unternehmen | 69 232.- |
Energieversorgung | 61 973.- |
Herstellung von Kraftwagen(teilen) | 57 571.- |
Maschinenbau | 51 719.- |
Erziehung und Unterricht | 49 304.- |
Gesundheitswesen | 44 838.- |
Sozialwesen (ohne Heime) | 35 869.- |
Einzelhandel | 33 514.- |
(Statistisches Landesamt Baden-Württemberg 2010)
Eine Erhebung des statistischen Bundesamts belegt ebenfalls, dass männerdominierte Berufe deutlich besser bezahlt sind als weiblich dominierte. In ausgewählten Berufen mit hohen Verdiensten (z.B. im Luftverkehr, Unternehmensberatung, Geschäftsleitung) stellen Männer bis zu 82% der Arbeitnehmer, in ausgewählten Berufen mit niedriger Bezahlung (z.B. hauswirtschaftliche Betreuung, Friseur/-in, Wäscherei) sind Frauen bis zu 94% vertreten. Auch innerhalb bestimmter Arbeitssektoren besetzen häufig Männer die besser bezahlten Positionen. Am Beispiel der Bildung und Lehre zeigt sich deutlich: Je höher die Position, und damit die Bezahlung, desto stärker ist der Arbeitsbereich von Männern dominiert. In Grundschulen liegt der Anteil von Frauen im Lehrkörper in Deutschland konstant über 80%, ebenso an Haupt- und Sonderschulen. Aber schon in den leitenden Positionen des Schuldirektoriums ist dort ein höherer Prozentsatz an Männern vertreten, Frauen sind in der Schulleitung zu weniger als 40% beschäftigt. Noch gravierender zeigt sich das Ungleichgewicht an den deutschen Universitäten. Hier sind noch immer weniger als 13% der Professuren weiblich besetzt. Ebenso finden sich in den höheren Entscheidungspositionen an Universitäten kaum Frauen – der Anteil der Hochschulpräsidentinnen liegt unter 12%. (Vgl. Spiegel Online Artikel 2011)
Aber auch in Berufen mit annähernd gleicher Beteiligung von Frauen und Männern und in männerdominierten Bereichen ist die Bezahlung von Frauen bei gleicher Arbeit meist ebenfalls deutlich geringer als die ihrer männlichen Kollegen. Man spricht hier vom Gender Pay Gap. Innerhalb der Berufszweige und Branchen gibt es große Unterschiede zwischen den Gehältern für Männer und Frauen.
Die vorgenannten Daten sind seit vielen Jahren bekannt - das führt aber nicht dazu, dass Frauen sich für andere Berufe entscheiden. Möglicherweise ist es aber ein Argument für Männer, nicht in die entsprechenden Dienstleistungsberufe zu gehen. Die Frage, warum die Berufe bei gleichem Qualifikationsniveau so unterschiedlich bewertet werden, ist damit allerdings noch nicht beantwortet. Sie spiegelt aber die auch in der ‚grünen Ökonomie’ vorhandene Dominanz der Güterproduktion über die Dienstleitungen, die sich an Personen wenden, wider. Über die Hälfte der jungen Frauen die eine Ausbildung antreten entscheidet aus einem Spektrum von nur zehn Berufen. Junge Männer variieren in ihren Entscheidungen hingegen mehr.